Wie ich als Elementarpädagogin von meiner Au Pair-Zeit profitierte

BAFEP-Abschluss – Was jetzt?

Als ich mich im Jahr 2009 dazu entschied, als Au Pair Professional nach Amerika zu gehen, war mir nicht bewusst, wie viele berufliche Benefits ich aus dieser Zeit mitnehmen würde.

Ich wusste in meinem letzten BAFEP-Schuljahr nicht genau, was ich mit meinem Leben machen wollte. Sollte ich als Elementarpädagogin zu arbeiten beginnen? Sollte ich etwas studieren? Wenn ja, welches Studium passt überhaupt zu mir? Oder sollte ich vielleicht doch den Sprung wagen und ins Ausland gehen? All diese unbeantworteten Fragen erdrückten mich nahezu, bis ich mich schließlich tatsächlich dazu entschied, die Au Pair-Tätigkeit aufzunehmen.

Was mich meine Zeit als Au Pair lehrte

Aus einem Au Pair-Jahr wurden am Ende zwei, da ich in derselben Gastfamilie verlängerte. Zurück in Österreich begann ich dann zu studieren. Neben dem Studium jobbte ich in Sommerkindergärten und als sogenannte ‚Springerin‘ in Kindergärten und Horten in ganz Wien. Dabei stellte sich schnell heraus, dass Arbeitgeber meine im Ausland erlernten Hard sowie Soft Skills sehr schätzten. Es war für mich beispielsweise überhaupt kein Problem, kurzfristig einzuspringen oder ständig in einer neuen Kindergruppe zu arbeiten. Wenn mich das Au Pair-Leben eines gelehrt hat, dann Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.

Wenn man als Au Pair ins Ausland geht, muss man sich ständig aus seiner Komfortzone begeben – ob man will oder nicht. Um Leute kennen zu lernen, muss man auf sie zugehen. Um Infos zu bekommen, muss man aktiv danach fragen. Um drei Kinder pünktlich zu drei verschiedenen After-School-Aktivitäten zu bringen, muss man vorausplanen können etc.

Nach zwei Jahren im Ausland, fiel es mir nicht mehr schwer offen und freundlich auf Arbeitgeber und neue Kolleginnen zuzugehen. Schließlich musste ich mir in Amerika einen Freundeskreis komplett neu aufbauen. Ich habe gelernt, dass man mit einem Lächeln und einer offenen und freundlichen Art sehr weit kommt.

Ich habe keine Scheu mehr Englisch zu sprechen. Die Zeit in den USA hat mich extrem vorangebracht und am Ende konnten Amerikaner nur mehr einen leichten Akzent ausmachen. Die Arbeit in einem multikulturellen Kindergartenteam, fiel mir in weiterer Folge um einiges leichter.

Ich wurde irrsinnig selbstständig und meisterte verschiedenste Alltagssituationen um einiges leichter als zuvor: Telefonate mit Fremden führen, alleine die Welt bereisen, offen auf fremde Leute zugehen, Dinge selbstständig organisieren, proaktiv sein – no problem!

Aber nicht nur beruflich, sondern auch privat profitierte ich von meiner Au Pair Zeit. Ich wurde selbstbewusster, selbstständiger und traute mir mehr zu. Ich weiß nicht wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich nicht als Au Pair nach Amerika gegangen wäre, aber ich bin mir sicher, dass ich nicht diese enormen Entwicklungsschritte in so kurzer Zeit gemacht hätte.

Aus der Sicht einer Kindergartenleiterin

Am Ende dieses Beitrags, möchte ich ein wunderbares Zitat meiner ehemaligen Chefin mit euch teilen:

Die Erfahrung als Au Pair in einem fremden Land, mit einer fremden Kultur, in einer Gastfamilie zu leben, ist für ElementarpädagogInnen jedenfalls sinnvoll. Ein Au Pair ist vor die Herausforderung gestellt, sich in ein bestehendes Familiensystem möglichst rasch zu integrieren, mit den dortigen Kindern in Kontakt zu treten und die gestellten Aufgaben verantwortungsvoll wahrzunehmen. Dies alles in einem Umfeld, das – zu Beginn – im höchsten Maße verunsichernd ist. Ein fremdes Land mit einer fremden Kultur macht es erforderlich, dass die eigene Wirklichkeit und Wahrheit hinterfragt und neu geordnet wird. Dies erfordert nicht zuletzt ein hohes Maß an „wahrnehmen können“, „aufmerksam sein“ und Toleranz im Miteinander.

Dies sind jedenfalls Eigenschaften, die gerade PädagogInnen in der täglichen Arbeit in einem multiprofessionellen, aber auch oft multikulturellem Team jedenfalls benötigen. Um Bedürfnisse der Kinder wie auch der Eltern wahrnehmen zu können, ist dies als Vorerfahrung nicht zu unterschätzen. Die Verbesserung der Sprachkenntnisse sind in entsprechenden Kindergärten bei der sicheren Kommunikation mit Eltern hilfreich.

Aus meiner Erfahrung als Kindergartenleiterin, kann ich nur immer wieder feststellen, dass PädagogInnen die langfristige Erfahrungen in anderen Ländern, Kulturen und deren Familiensystemen machen konnten, selbstbewusster auftreten, bereits mehr über sich selbst „wissen“ und somit auch ein höheres Maß an Flexibilität und Adaptionsmöglichkeiten im Alltag eines Kindergartens bei der Umsetzung ihrer pädagogischen Arbeit nutzen können.

Patricia Varga, Leiterin eines Kindergartens in Wien

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