Pleiten, Pech und pure Doofheit!

Auf unserer Fototour in LA haben Mischa und ich nicht nur schönes erlebt. Die erste Hälfte der Reise war komplett verflucht! Unser Karma hatte richtig schlechte Laune und hat uns das auch spüren lassen! Lasst euch nicht von der Länge des Artikels abschrecken, es lohnt sich.

Die Hinflug-Story

Alles beginnt mit dem Hinflug. Knapp zwei Stunden vor Abflug treffen Mischa und ich uns überpünktlich am Köln/Bonner Flughafen. Schön und gut soweit. Check- In, Sicherheitscheck, überteuertes Wasser bei Subway, alles kein Problem. Am Gate treffen wir einen Jurastudenten namens Shamail, der vor seinem Examen einen Kumpel in LA besucht und genau dasselbe Ticket wie wir gebucht hat. Köln -> Amsterdam -> Minneapolis -> Los Angeles ist die Route. Schonmal nicht die besten Voraussetzungen, aber Hauptsache billig. 20 Minuten vor Abflug: „Aufgrund von Nebel in Amsterdam, verspätet sich der Flug um eine Stunde“. Erster Herzinfarkt. In Gedanken bereits zwei Anschlussflüge verpasst. Der Flieger hebt dann auch eine Stunde später ab und wir sind also auf dem Weg nach Amsterdam. Noch während des Fluges kommt eine Stewardess zu uns und informiert uns darüber, dass wir wahrscheinlich schon auf den späteren Flug umgebucht wurden. Kurz vor Ankunft sagt sie aber, dass wir vielleicht doch versuchen sollten den Flug zu erwischen!

Ankunft in Amsterdam also. Eine gefühlte Tonne Kameraequipment in die Hände und lossprinten. Da wir aber nicht in Weeze sondern im viertgrößten Flughafen Europas sind, ist der Flughafen entsprechend RIESIG. Nach dem fünf Minuten Halbmarathon kommen wir also noch rechtzeitig am Gate an. Erstmal Luft holen. Danach durch die wohl unangenehmste Kontrolle auf dem Weg in die USA überhaupt. Ob wir denn wirklich keine Terroristen seien, den Grund unserer Reise usw. Befragung durch. Am Eingang zur allerletzten Ticketkontrolle: „Sie dürfen leider nicht mitfliegen, Sie wurden bereits umgebucht.“ Wow. Das hätte uns bei den 34 Ticketkontrollen vorher scheinbar niemand sagen können. Okay, fünf Stunden bis zum nächsten Flug. Unser neugewonnener Reisefreund Shamail hatte nicht das Glück mal ebenso durch die Kontrolle zu kommen. Eine halbe Stunde lang 1000 Fragen über seine komplette Lebensgeschichte. Shamail ist in Deutschland geboren und deutscher Staatsbürger und wird also nur aufgrund seines ausländisch klingenden Namens komplett von den Sicherheitsleuten auseinandergenommen. Und wir werden auch noch schief angeguckt wieso wir denn auf jemanden warten würden, den wir gerade erst kennengelernt haben. Irgendwann ist er dann doch raus. Ab zum Transferdesk, 200 Menschen wollen auch ihren Flug umbuchen. Irgendwie sind wir dann letztendlich doch noch in den Flieger gestiegen und nach Minneapolis abgehoben.

Angekommen in Minneapolis wird Shamail also in ein separates Büro gebracht und wieder komplett ausgefragt. Nächster Flug nach LA. Eisig kalt, kein Essen und trinken und vor 24 Stunden aufgestanden. Ankunft in LA, Koffer holen, Mietwagen, ab ins Banana Bungalow. Nach insgesamt ca. 28 Stunden Reisezeit inkl. Aufenthalten am Flughafen, überstehen wir also die Anreise.

Die LA-Story

Da der erste Tag shootingfrei ist, klappern wir also die Tourispots ab. Den heftigen Stau überall in LA kann man nicht als Pech bezeichnen, das gehört wohl dazu. Vorletzter Halt: Santa Monica Beach. 8$ Tages- Parkticket für 10$ gekauft (kein Rückgeld) um danach herauszufinden, dass der Parkplatz in einer Stunde schließt. Läuft. Wir versuchen abends bei In-N-Out etwas zu essen zu kriegen und sehen, dass der Laden komplett überfüllt ist und die Autos bis auf die Straße Schlange stehen. Okay, auf zum nächstbesten Fastfoodladen.  Sollte in den USA ja das geringste Problem sein. Wendy’s. Die Auswahl und Preise sind nicht schlecht und wir haben keine Lust mehr rumzufahren, also lassen wir uns nieder. Darauf folgt der aller schlechteste Burger meines Lebens. Ich konnte ihn bei mir behalten, Mischa nicht.

Die Parkplatz-Story

Ein Tag vor Abflug nach San Francisco sehen wir im Hostel, dass die Straße vor der Tür aufgrund des LA Marathons gesperrt sein wird. Schlau wie wir sind, parken wir also auf einem öffentlichen Bezahlparkplatz, unweit des Hostels. Was keiner wissen konnte, erklärt uns Mischa in folgendem Video:

Was zur Hölle?! Kann sowas wirklich passieren? Genau an der Ecke des Parkplatzes macht die Route einen Knick, sodass BEIDE Ausgänge des Parkplatzes gesperrt sind. Nach langen Gesprächen mit den, zum Glück sehr freundlichen, Polizisten vor Ort werden wir zwischen den Läufern durchgelotst und kriegen unseren Flug auf den letzten Drücker.

Die Kreditkarten-Story

Nach dem sechshundertvierundsiebzigsten Herzinfarkt am Parkplatz in LA kommen wir also glücklich am San Francisco International an, denken über nichts böses nach, wollen nur unseren Mietwagen abholen und losfahren. Angekommen am Schalter: Kreditkarte funktioniert nicht. Bargeld wird nicht akzeptiert. Läuft. Versuch mal mittags aus San Francisco  jemanden von der Sparkasse anzurufen… Um zwei Uhr deutscher Zeit telefoniert Mischa also etwa eine Stunde lang diverse Kreditkarten-Hotlines ab. Ende der Geschichte: Kreditkarte funktioniert wieder. Warum nicht gleich so?

Die Big Sur-Story

An dem wundervollen Küstenabschnitt haben wir das wohl mit Abstand beste Shooting auf unserer Reise. Highway, Klippen, Ozean und das kilometerlang! Wir parken das Auto am Straßenrand, gehen zum Strand runter, machen Fotos, alles wunderbar. Entlang des Strandes gibt es immer wieder kurze Abschnitte wo die Felsen etwas weiter ins Meer ragen. Hier prallen die Wellen also immer wieder auf die Felsen, sodass man zwischen den Wellen schnell durchlaufen muss. Das funktioniert bei uns in 9 von 10 Versuchen. Beim zehnten Versuch läuft Mischa vor, wir etwas unachtsam hinterher. Die Welle ist etwas schneller als erwartet. Ich, mit der zweitausend Euro Kamera in der einen und den Schuhen in der anderen Hand, werfe die Hände nach oben und bin innerhalb einer Millisekunde KOMPLETT von eiskaltem Wasser umgeben. Kamera ist heile, alles gut soweit. Hannah, Au Pair und unser Model, ist nicht so gut weggekommen. Die neue Ray Ban vom Kopf im Meer verschwunden und der Rucksack, in dem sich alle Handys (außer meins) befinden auf dem Rücken. Schnell alles ausgepackt, ein Handy zerstört, Mischas Handy-Kamera funktioniert nicht mehr und alle Klamotten durchnässt. Pleiten, Pech und pure Doofheit treffen an dieser Stelle erfolgreich aufeinander.

Die San Francisco-Story

Am selben Tag, zurück in San Francisco stellen wir den Wagen auf einem vermeintlich freien Gratisparkplatz ab (so ein Schwachsinn, ich weiß.). Relativ zentral liegt das Europa Hostel, in dem wir die nächsten drei Nächte verbringen. Zentral bedeutet aber nicht gleich gut. Der erste Eindruck mag manchmal täuschen, aber nicht hier. Schmale Gänge mit vielen Türen rechts und links und diese eine flimmernde Lampe an der Decke erinnern an diverse NYC- Gangsterfilme. Am Ende des Flurs ist ein winziges Fenster. Die Rezeption also. Hinter dem Fenster ein kleiner Raum in dem ein viel zu dicker, viel zu kahler Mann sitzt, der unfassbar unfreundlich aussieht. Mit Anzug und Zigarre könnte der gut als Immobilienhai oder Buchmacher bei illegalen Pferdewetten durchgehen. Kaum macht er den Mund auf ist alle anfängliche Skepsis verflogen und wir treffen den wohl freundlichsten Menschen in ganz Kalifornien. Das macht die zwei Toiletten pro Etage (ca. 40 Zimmer), das ultraquietschende Hochbett, das dreckigste Bad San Franciscos und die vielen gefährlich guckenden Gestalten vor der Tür leider auch nicht ungeschehen. Eines Abends gehen Mischa und ich in ein Irish Pub in der Nähe um das ein oder andere Kaltgetränk zu verkosten. Wir unterhalten uns ein wenig mit dem Barkeeper und er rät uns: „Seid vorsichtig in der Gegend um die Sixth Street, drei meiner Mitarbeiter sind dort schon mit Waffen bedroht und ausgeraubt worden.“ und wir so: „Yaaaay, genau da wohnen wir.“

Morgens am Auto: Strafzettel 66$. Okay, ziemlich ärgerlich, kann ja mal passieren. Wir nehmen uns vor am nächsten Tag ganz genau hinzusehen. Am nächsten Tag schauen wir ganz genau hin, lesen die Schilder drei mal. Morgens am Auto: Strafzettel 66$. Wir geben uns geschlagen, gestehen unsere Unfähigkeit ein und parken ab dann für 20$ pro Nacht im Public Parking.

Letztes Pech in San Francisco (in dem Fall trifft es aber Doofheit auch ganz gut). Chinatown! Wir stellen unser Auto ordnungsgemäß vor einer Parkuhr ab, bezahlen für zwei Stunden und machen uns auf die Suche nach Essen. Keiner denkt aber darüber nach sich zu merken in welcher Straße das Auto steht. Der Hunger war mächtiger als der Verstand. Auf dem Rückweg aus dem Restaurant merken wir also, dass wir nicht mehr wissen, wo das Auto steht. Die Parkuhr läuft in wenigen Minuten aus und der nächste Strafzettel ist bereits im mentalen Konto verbucht. Ein wenig Rumgeirre später finden wir das Auto doch noch und fahren rechtzeitig wieder weg.

Nach den ganzen Pleiten, der großen Menge Pech und jeder Menge purer Doofheit hat sich unser Karma dann doch wieder eingekriegt und uns in Ruhe gelassen.

Wenn du auf einer deiner Reisen auch mal so richtig ins Klo gegriffen hast, lass es mich in den Kommentaren wissen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.