Als Österreichisches Au Pair in einer deutschsprachigen Gastfamilie

Andrea (20) aus Salzburg, hat vor kurzem ihr erstes Au Pair Jahr in einer österreichisch-amerikanischen Gastfamilie beendet. Heute erzählt sie uns von ihren Erlebnissen und den Vor- und Nachteilen in einer deutschsprachigen Familie in den USA zu leben. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Wie alles begann …

Als ich im Sommer 2016 den Familienvorschlag von einer Gastfamilie in Philadelphia bekam, wusste ich noch gar nicht, dass die Hostmom aus Österreich kommt. Es wurde im Gastfamilienbrief nicht erwähnt und auch via E-Mail und SMS unterhielten wir uns stets auf Englisch. Sogar das Skype-Gespräch mit meiner Hostmom haben wir auf Englisch geführt. Erst am Ende, als alle Fragen geklärt waren, sagte mir meine Gastmutter, dass sie aus Österreich kommt und sie zu Hause hauptsächlich Deutsch sprechen würden. Die Eltern des Gastvaters stammten ebenfalls aus Österreich, doch er selbst war in Amerika geboren und aufgewachsen. Er studierte und lebte für ein paar Jahre in Österreich, wo er dann auch meine Gastmutter kennenlernte.

Am Ende fragte sie mich, ob das für mich in Ordnung sei und ich damit einverstanden wäre, mit den Kindern Deutsch zu sprechen. Um ehrlich zu sein, war ich anfangs ein bisschen am zweifeln, da ich mir nicht sicher war, ob ich genügend Möglichkeiten haben würde, um mein Englisch zu verbessern. Da aber alles andere super für mich passte, entschied ich mich dazu, mit der Familie zu matchen.

Vor- oder Nachteil?

Ich kann die Vor- und Nachteile nicht genau benennen, denn jeder Vorteil kann auch als Nachteil ausgelegt werden und vice versa. Anfangs fand ich es gut, dass ich mit meiner Gastfamilie Deutsch reden konnte. Gerade zu Beginn, wo alles neu ist, du alleine in einem fremden Land lebst und dann auch noch eine andere Sprache sprechen solltest, war es für mich echt hilfreich, dass mir meine Gastmutter die Tagesroutine und alles weitere auf Deutsch erklären konnte. Dadurch war es für mich einfacher, sich in das neue Leben einzufinden. So konnten auch viele Missverständnisse umgangen werden, da man sich in seiner Muttersprache einfach besser ausdrücken kann. Doch nach ein paar Monaten, als sich die Alltagsroutine allmählich eingependelt hatte, begann ich zu überlegen, ob sich mein Englisch überhaupt verbessert hatte. 

Rückblickend denke ich, dass sich mein Englisch zwar verbessert hat, jedoch vielleicht nicht so stark wie bei anderen Mädels. Trotzdem fühle ich mich überhaupt nicht unwohl, wenn ich Englisch sprechen muss. Ich legte großen Wert darauf, Freunde zu finden, die nicht aus Österreich oder Deutschland stammten. Leider gelang mir das nur mittelmäßig, da es einfach eine große Anzahl an deutschsprachigen Au Pairs in den USA gibt. Aus diesem Grund vereinbarte ich mit manchen Freunden, Englisch miteinander zu sprechen. Auch am College musste ich natürlich Englisch sprechen und das half mir sehr dabei, meine Sprachkompetenzen zu verbessern. Dort besuchte ich einen Sportmanagement Kurs, der sehr interessant war.

Zusätzlich habe ich viele Bücher in englischer Sprache gelesen und mir regelmäßig Filme und Serien in Originalsprache angesehen. Und wenn man einkaufen geht oder sich mit Freunden in einem Café trifft, wird man ohnehin mit der englischen Sprache konfrontiert.

Die meisten Au Pairs sehen ihre Heimat erst nach 13 Monaten wieder. Bei mir war das anders. Bereits Mitte Dezember sind wir zum Skifahren nach Österreich geflogen. Über das Weihnachtswochenende durfte ich sogar nach Hause fahren und war überglücklich, Weihnachten mit meinen Liebsten verbringen zu dürfen. Ende Dezember ging es für uns dann wieder zurück nach Amerika, aber schon 3 Monate später flogen wir erneut nach Österreich auf Skiurlaub. Unerwarteterweise durfte ich dann auch den August in Österreich verbringen, da wir die Großeltern besuchten.

Da wir immer wieder einmal nach Österreich geflogen sind, ist mein Jahr gefühlt noch schneller vergangen. Kein Wunder, dass ich bald mit dem Gedanken spielte zu verlängern. Die Gründe liegen auf der Hand: weil ich weiterhin mein Englisch verbessern wollte, mir das Programm gefiel und ich noch immer nicht genau wusste, was ich nach meiner Rückkehr machen wollte.

Würde ich wieder mit einer deutschsprachigen Familie matchen?

Tja, gute Frage! Als ich mich dazu entschloss zu verlängern, war mir klar, dass ich nun eine typisch amerikanische Gastfamilie möchte. Lustigerweise ist mein Plan nicht ganz aufgegangen. Ich sitze jetzt in San Francisco und meine neue Gastfamilie kann ebenfalls wieder Deutsch sprechen. Doch diesmal ist es anders als in Philadelphia. Ich rede eigentlich ausschließlich mit meiner Gastmutter Deutsch. Mit den Kindern spreche ich Englisch und auch wenn wir alle gemeinsam zu Abend essen, wird Englisch gesprochen. Ich versuche erneut in meiner Freizeit ganz viel Englisch zu sprechen.

Ich würde sagen, dass man sich bei der Familiensuche mehr auf sein Bauchgefühl verlassen sollte. Wenn die Chemie und alle anderen Gegebenheiten stimmen, wieso sollte man die Chance dann nicht nutzen? Nein sagen, nur weil die Familie Deutsch spricht? Ich bin der Meinung, das sollte kein Grund sein eine Familie abzulehnen.

Ich hoffe ich konnte euch ein paar Fragen zu diesem Thema beantworten und wünsche euch eine schöne Zeit in Amerika.
Ganz liebe Grüße aus meiner absoluten Lieblingsstadt San Francisco,

Andrea

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.